Didi: Don’t be evil

Didi ist das chinesische Uber. Börsennotiert und Milliarden schwer. Didi funktioniert auch nach dem Prinzip: Jeder kann ein Taxifahrer sein. Für den Kunden sind die Fahrten günstig, schnell und  flexibel. Über die App ruft man einen Fahrer aus der Nähe, die Kosten werden über die App automatisch eingezogen. Eine tolle Sache.


Ich bin selbst oft mit Didi von A nach B gefahren. Die Autos kamen innerhalb von fünf Minuten und brachten mich für ein paar Yuan dank Handy und Navi schnell ans Ziel. Nur einmal zeigte sich ein Fahrer sehr unflexibel, weil ich nur eine ungefähre Adresse genannt hatte, eigentlich aber zwei Straßen weiter wollte. Der Fahrer weigerte sich hartnäckig, 100 Meter weiter zu fahren. Das war ärgerlich, aber halb so wild.


Ganz schlimm dagegen war ein Fall, der sich im Mai dieses Jahr ereignet hat: Eine junge Frau wurde vom Fahrer entführt, vergewaltigt und umgebracht. Ein riesiger Aufschrei ging durchs ganze Land. Didi entschuldigte sich bei der Familie des Opfers und versprach Sicherheitsmaßnahmen, damit solche Fälle vermieden werden.


Eigentlich hätte Didi aber die Sicherheit im System erhöhen müssen. Es hätte die Kontrollen verschärfen sollen, um solche schrecklichen Vorfälle in Zukunft zu vermeiden. Getan wurde wenig.


Bis es dann zum zweiten Vorfall kam: Wieder hatte ein Faher eine junge Frau in seine Gewalt gebracht. Das Opfer schaffte es aber, vom Handy aus eine Freundin zu verständigen.  Ihre Freundin verständigte die Polizei. Die Beamten meldeten sich sofort bei Uber - erreichten dort aber zunächst nur den üblichen trotteligen Call Center Mitarbeiter. Man benötige das Kennzeichen des Fahrzeugs, sonst könne man leider nichts machen, hieß es. Es dauerte lange, bevor das Nummernschild des Entführers ermittelt war. Als die Polizei nach Stunden das Fahrzeug aufspürte, war es zu spät: Die Frau war bereits tot.


Didi kündigte an, an dieser Tragögie Mitveranwortung zu tragen und bei zukünftigen Fällen immer das Dreifache der gesetzlich vorgesehenen Entschädigung zu zahlen. Ganz so, als könne man sich einfach aus der Verantwortung freikaufen. Bei derartiger Mennschenverachtung schritt nun endlich die Regierung ein. In Windeseile wurde die Didi-App offline genommen.


Nun gibt Didi bekannt, dass alle Driver eine Lizenz erwerben müssen. Für Nutzer und Fahrer gibt es in Zukunft eine Blacklist, mit der beide Seiten Sperrungen vornehmen können. Ob das die Sicherheit erhöht, bleibt abzuwarten. Eins ist sicher, dass die Lizenzvorgabe die Anzahl der Fahrer deutlich reduzieren wird. Ob Didi den Martkanteil und das Wachstum langfristig sichern kann, steht in den Sternen.


Klar ist aber: Es geht nicht immer nur ums große und schnelle Geld. Spätestens wenn Leib und Leben gefährdet sind, muss Schluss sein. Dann sind die Entwickler verpflichtet, wirksame Schutzmechanismen einzuführen, die es beim Vorbild Uber natürlich längst gibt.


Zusammenfassend kann ich also nur sagen: Es ist eine tolle Sache, dass eine App die Mobilität und de Komfort für chinesische Bürger ermöglicht. Allerdings schreit die Gesellschaft ebenfalls nach Verantwortung von Unternehmen, die heutzutage durch die schnelle Wirtschaftsveränderung in China leider fast kaum vorhanden ist. Don’t be evil, please!

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