Spin-off der Kolonialzeit: Gutes Bier aus Qingdao

Meine Heimatstadt Qingdao war von 1898 bis 1919 deutsche Kolonie. Ein altes Rathaus und ein paar alte Kirchen zeugen noch davon. Nichts Gutes lässt sich ansonsten über diese dunkle Phase der Geschichte sagen – bis auf eine Ausnahme: Es wurde auf diese Weise gutes Bier in der Welt verbreitet, sozusagen ein Spin-off Effekt der Kolonialzeit.

 

1903 gründeten deutsche Siedler in Qingdao eine Brauerei, in der sie nach deutschem Rezept und Reinheitsgebot den Gerstensaft brauten. Das Bier in den grünen Flaschen gibt es heute in China landauf, landab zu kaufen. Aber auch in fast allen Chinarestaurants weltweit. Offenbar schmeckt es .(Ich selbst bin nicht so die Biertrinkerin, ich bevorzuge heißes Wasser).

 

Tsintao ist die zweitgrößte Brauerei in China, mit einem Marktanteil von gut 15 Prozent. Zum Vergleich: Das ist in etwa so, als ob eine einzige Brauerei die halbe EU beliefern würde! Dazu kommt noch eine gewaltige Menge Exportbier. Tsingtao ist das meistverkaufte chinesische Bier in den USA und anderswo. Ihr habt es in Eurem Lieblings-Chinarestaurant bestimmt auch schon auf der Karte gesehen – oder getrunken.

 

Warum Tsingtao und nicht Qingdao? Auf der Flasche steht auf Chinesisch nämlich Qingdao Bier. Bevor es in China das Pinyin als standardisierte Umschrift gab (Ende der 1950er Jahre), wurde von den Europäern noch rein nach Gehör geschrieben. Der Name war 1903 einmal etabliert, man blieb einfach dabei. Inzwischen ist der Name Tsingtao wohl bekannter als der Name Qingdao (immerhin eine Millionenstadt).

 

Bier spielt in Qingdao ein große Rolle. Jeden Sommer gibt es ganz in der Nähe der Küste ein großes Bierfest. Da herrscht eine Stimmung wie auf dem Oktoberfest. Die Leute genießen das Beisammensein, jeder kommt mit jedem ins Gespräch und es wird getrunken bis zum Abwinken. Bei einem gepflegten Abendessen wird Bier eigentlich nur rituell getrunken, mit Trinkspruch, aufstehen, austrinken usw. Aber auf dem Qingdao Beer Festival gelten diese Regeln nicht, da trinkt jeder wie es ihm gefällt.

 

Einen kleinen Eindruck von dem Festival gibt es hier: http://www.qdbeerfest.com/index.html

 

Aber zurück zum Tsingtao. Im Moment wechseln große Anteile an der Brauerei den Besitzer: https://asia.nikkei.com/Business/Companies/Tsingtao-sale-could-reshape-China-s-beer-market

Die japanische Asahi Gruppe trennt sich von einem großen Batzen Aktien (etwa 20 Prozent), andere Brauereiriesen stehen bereit, um in diesen heißt umkämpften Markt einzusteigen. Der Aktienkurs ist in Bewegung. Wenn der Deal letzten Endes abgeschlossen wird, kann man sicher mit einem Gläschen (oder ein paar Flaschen) Tsingtao darauf anstoßen. Gan bei!

 

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